Bildung: Albert-Schweitzer-Schule in Groß-Zimmern erhält Zulauf aus umliegenden Orten - Mehr Zeit auch für Erziehung
© Foto Karl-Heinz Bärtl: Vordenker: Albert-Schweitzer-Schüler in Groß-Zimmern an der Büste des Namensgebers ihrer Schule, die als bislang einzige im Kreis vom Turbo-Abitur zurück wechselte zur Reifeprüfung nach 13 Jahren – und damit offenbar dem Wunsch vieler Familien entspricht.
Als einzige Schule im Kreis ist die Albert-Schweitzer-Gesamtschule (ASS) in Groß-Zimmern vom Turbo-Abitur in acht Jahren zurückgekehrt zum Abitur in neun Jahren - mit Erfolg. ,,Wir haben 90 Anmeldungen fürs neue Schuljahr nach den Sommerferien", berichtet Schulleiter Helmut Buch. ,,Davon kommt eine halbe Klasse, 15 Schüler, aus Dieburg. So etwas gab's noch nie." Die ASS wird also ab August drei fünfte Klassen parallel in die neun Jahre bis zum Abitur führen.
,,Dabei war das vor zwei Jahren ein Sprung ins Wasser, der auch hätte schief gehen können, wenn die Eltern nicht mitziehen", fügt Buch an. Doch vor dem Wechsel zu G 9 waren in Groß-Zimmern die Eltern sowohl der Fünftklässler als auch der Grundschüler gefragt worden, was ihnen lieber wäre: G 8 oder G 9? ,,Das war eine ganz klare Sache fürs längere Abitur", sagt Buch. Interessant sei auch, dass es vorwiegend Eltern höheren Bildungsstandards seien, die nun aus Dieburg ihr Kind - alle mit Gymnasialempfehlung - in Groß-Zimmern anmelden.
Das eine Jahr mehr kommt nicht nur der vertieften Wissensvermittlung zugute. Den Schülern bleibt auch mehr Zeit für Aktivitäten in Vereinen. ,,Und besonders präventive Dinge drohten im Turbo-Abitur zu kurz zu kommen; Themen wie Internet-Missbrauch, Gewalt, zunehmender Alkoholgenuss. Diesen erzieherischen Aufgaben, die Schulen immer stärker wahrnehmen müssen, können wir nun viel besser nachkommen. Schulen, die sagen, das hätten sie nicht nötig, machen sich etwas vor. Der Landkreis hat doch nicht umsonst kürzlich acht Stellen für Sozialarbeiter an den Schulen geschaffen." Die Albert-Schweitzer-Schule in Groß-Zimmern wird wohl dennoch weiter die einzige im Kreis bleiben, die zurückschwenkt zum längeren Abitur, schätzt der Schulleiter nach vielen Gesprächen mit seinen Kollegen im Kreis. ,,Ich werde zwar von manchen Kollegen misstrauisch beäugt, weil wir ihnen Schüler abluchsen würden. Doch unter den Grundschulleitern gibt es sehr viele Befürworter. Aber andere befürchten den Ruf eines Gymnasiums zweiter Klasse."
Die politische Kreis-Spitze sieht den mutigen und erfolgreichen Schritt in Groß-Zimmern mit Wohlwollen. Schuldezernent Christel Fleischmann (Grüne) kann sich noch mehr G 9-Schulen im Kreis vorstellen. Einzig die Lichtenberg-Schule in Ober-Ramstadt bietet als integrierte Gesamtschule jenen Eltern, die den längeren Weg zum Abitur wünschen, noch eine Alternative.
In anderen Teilen Hessens sieht das anders aus: Von den 116 kooperativen Gesamtschulen in Hessen haben mittlerweile 44 die Rückkehr zur sechsjährigen gymnasialen Mittelstufe beantragt, teilte das Kultusministerium gestern auf ECHO-Anfrage mit.